PILATES Studie

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Die Aktivierung des M. transversus abdominis durch Pilates

Am Institut für Sportwissenschaften der Universität Wien wurde im Rahmen einer Diplomarbeit eine Studie über die Wirksamkeit von regelmäßigem Pilatestraining erstellt. Dass regelmäßiges Pilatestraining sich positiv auf die Körperhaltung und den Rücken auswirkt, wird durch eine Anzahl wissenschaftlicher Arbeiten bestätigt. Irene Haider hat diese Arbeiten am Anfang ihrer Studie zusammengefasst und kommt zu dem Schluss, dass die Effektivität des Trainings in unmittelbarem Zusammenhang mit der Kräftigung der tiefliegenden Bauchmuskulatur (M. transversus abdominis und Mm. multifidi) steht.

Untersuchungsmethode

Zehn Wochen lang trainierten elf Frauen zweimal wöchentlich nach einem festen Programm Pilates. Insgesamt wurden 20 Pilatestrainingsstunden absolviert. Ausgewertet wurden zwei Kleingruppen mit fünf und sieben Teilnehmerinnen. Alle Teilnehmerinnen waren Einsteiger. Jede Gruppe wurde von einem anderen Trainer betreut. Trainiert wurde in der Pilates Akademie und im Pilates-Rebase Institut in Wien. Die Pilatesübungen wurden von Barbara Mayr und Arthur Voggenhuber ausgewählt. Die Leistungswerte der beiden Gruppen wurden mit Werten einer nicht trainierenden Gruppe verglichen. Dazu wurde zu drei Zeitpunkten (zu Beginn, nach fünf und nach zehn Wochen) die Leistungsfähigkeit der Tiefenmuskulatur gemessen.

Messung der Muskelaktivität

Die Kräftigung des M. transversus abdominis ist schwer feststellbar. Die exakte isolierte Messung der Muskelaktivität in diesem Bereich ist nicht ganz einfach. Für die Messung nutzte die Diplomandin Irene Haider ein zu diesem Zweck von Prof. C. Richardson an der Universität Queensland in Australien getestetes und für gut befundenes Biofeedback-Gerät, den sogenannten Stabilizer. Untersuchungen haben bestätigt, dass mit diesem Gerät die Aktivierung des M. transversus abdominis mit signifikanter Verlässlichkeit gemessen werden kann. Um die  Trainingsqualität bei der Übungsausführung zu gewährleisten, verwendeten beide Trainingsgruppen den Trainingsgürtel ?Pilates Vitality Trainer?, der die Funktion besitzt, durch Kontakt-Feedback die Teilnehmerinnen immer wieder an die Aktivierung der Tiefenmuskulatur der Körpermitte zu erinnern. Der Gürtel sitzt bei den Übungen immer dann locker, wenn die Tiefenmuskulatur richtig aktiviert wird.

Powerhouse

Eines der zentralen Elemente des Pilates ist das Powerhouse. Es wird bei jeder Pilatesübung aktiviert und während der Übung gehalten. Die Aktivierung erfolgt durch das Einsinkenlassen des Nabels zur Wirbelsäule. Dabei werden vor allem der quer verlaufende Bauchmuskel und die schrägen Bauchmuskeln aktiviert. Um die Wirkung von Pilates zu untersuchen, sollte eine Messung vor allem auf diese Muskeln abzielen. Das Hauptaugenmerk der Arbeit lag deshalb vor allem auf dem M. transversus abdominis, dem in der Zentrierung und Aktivierung des Kraftzentrums auf Grund seiner anatomischen Voraussetzungen und Funktionen die wichtigste Rolle zugesprochen wird. Es wurde untersucht, welche Auswirkungen die Pilatesmethode auf die Spannung im Bereich des M. transversus abdominis hat.

M. transversus abdominis

Dem M. transversus abdominis wird eine große Schutz- und Stabilisationsfunktion im Bereich der lumbalen Strukturen zugesprochen. Laut Irene Haider zeigen verschiedene Studien, dass eine gut ausgeprägte Tiefenmuskulatur lumbalen Rückenbeschwerden gut vorbeugen kann. Mit Ultraschall und Magnetresonanz wurde bei der Baucheinziehbewegung ein signifikanter Zuwachs in der Stärke des M. transversus abdominis und des M. obliquus internus abdominis gemessen. Es wurde auch belegt, dass die Kontraktion des M. transversus abdominis die Stabilität des Iliosacralgelenkes erhöht. Die Kräftigung des M. transversus abdominis durch Pilatestraining kann sich entsprechend positiv auf die lumbale Stabilität auswirken.

Pressure Biofeedback Unit

Eine direkte Messung der komplexen dreidimensionalen Bewegung ist nicht einfach. Von der Chattanooga South Pacific Gruppe für klinische Testungen wurde eine indirekte Methode und ein Gerät für die Messung entwickelt. Die dazu verwendete Pressure Biofeedback Unit, kurz Stabilizer genannt, besteht aus einer dreiteiligen luftbefüllbaren Tasche, einer Luftpumpe und einem Ziffernblatt. Der Stabilizer registriert den wechselnden Druck in der luftgefüllten Zelle. Die Zelle wird bis zu einem bestimmten Level aufgepumpt ? Bewegungen in Richtung Körper führen zum Abfallen des Druckes, Bewegungen in Richtung Stabilizer erhöhen den Druck in der Zelle. Der Stabilizer zeigt die Position des unteren Rückenbereichs auf und liefert dem Therapeuten und Patienten damit ein Feedback, ob die Rumpfmuskulatur die Wirbelsäule ausreichend stützt.

Drawing In Test

Mit diesem Test wird die Fähigkeit überprüft, den M. transversus abdominis isoliert zu kontrahieren. Eine Verminderung des Druckes um 6?10 mmHg zeigt, dass der Proband den M. transversus abdominis maximal kontrahieren kann, unabhängig von der anderen Bauchmuskulatur. Eine Veränderung von weniger als 2 mmHg ist ein Indiz dafür, dass der M. transversus abdominis nicht unabhängig von der übrigen Bauchmuskulatur kontrahiert werden kann. Bei diesem Test liegt der Proband in der Bauchlage, die Arme sind seitlich neben dem Oberkörper angewinkelt. Der Stabilizer wird so platziert, dass der Nabel in der Mitte des zweiten Blasbalges liegt. Die Luftkammern werden bis 70 mmHg aufgeblasen. Mit dem Ausatmen wird der Bauchnabel maximal Richtung Wirbelsäule eingezogen. Diese Position wird für zehn Sekunden gehalten.

Diamond Press

Die Diamond Press ist eine der anspruchsvollsten Pilatesübungen. Sie wurde ganz bewusst für die Messung ausgewählt, weil die gezielte Ansteuerung des M. transversus abdominis und das Zusammenspiel der muskulären Strukturen gut gemessen werden können. Mit dieser Übung wurde auch der Trainingsfortschritt überprüft. Die Diamond Press wurde ganz bewusst aus dem
Trainingsprogramm genommen, um Veränderungen durch einen Trainingswiederholungseffekt auszuschalten. Der Proband liegt ebenfalls in der Bauchlage. Der Stabilizer wird wieder so platziert, dass der Bauchnabel in der Mitte des zweiten Blasbalges liegt. Die Luftkammer wird bis 70 mmHg aufgeblasen. Mit dem Einatmen soll der Proband den M. transversus abdominis maximal kontrahieren und beim Ausatmen den Oberkörper leicht anheben. Der M. transversus abdominis wird zwei Atemzüge angespannt und am Stabilizer werden die Veränderungen abgelesen.

Ergebnisse

Das Hauptaugenmerk lag auf den Ergebnissen der Pressure Biofeedback Oblique Curl Up (Diagonale Corsage) Swimming Double Knee Folds Pilates Vitality Trainer: Der Gurt dient der  Überprüfung der korrekten Anspannung der Muskulatur durch Kontakt-Feedback. Unit-Messungen. Die Ergebnisse der Stabilizer-Messungen zeigten, dass sich im Bereich der Maximalkraft, gemessen durch den Drawing In Test, keine signifikanten Veränderungen ergeben hatten. Die Fähigkeit, den M. transversus abdominalis maximal und isoliert zu kontrahieren, wurde aber um 36% verbessert. Die Fähigkeit stieg in den Trainingsgruppen von 27% der Teilnehmerinnen bei der ersten Messung auf 63% der Teilnehmerinnen bei der dritten Messung. In der  Vergleichsgruppe blieb die Fähigkeit, den Muskel maximal zu kontrahieren, mit 20% konstant. Die Ergebnisse der Diamond Press zeigten signifikante Veränderungen in den Trainingsgruppen. Die Übung eignete sich am besten, um den rainingserfolg der Pilatesmethode in Bezug auf den M. transversus abdominis zu messen. Die Werte zeigten eine Verbesserung der Mittelwerte von 113 mmHg auf
90,09 mmHg. Auch die Messung der Kraftausdauerfähigkeit des M. transversus abdominis zeigte nach dem durchgeführten Training signifikanteVeränderungen. Die Ergebnisse haben insgesamt gezeigt, dass sich Pilatestraining gezielt auf die Aktivierung des M. transversus abdominis auswirkt.



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